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Katharinenstadt - Марксштадт
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Форум » История колонии » Учебные заведения » Мужская гимназия (Das Knabengymnasium)
Мужская гимназия
WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:05 | Сообщение # 1
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Мужская гимназия в Екатериненштадте.
Фото до 1917 г.

Das Knabengymnasium in Katharinenstadt.


Мужская гимназия, здание находится на проспекте им. В.И. Ленина (бывшая ул. Степная); построено в 1911 г. Во времена Республики немцев Поволжья в здании располагалось образцово-показательное училище (школа ОПУ), во время Великой Отечественной войны - общежитие, после войны - Дом быта, сейчас - школа искусств. По рассказам старых жителей города внутренняя архитектура здания совершенно не изменилась с 1930-х гг. В прежние годы вход в здание был со двора, парадный был закрыт. Классы были большими, отдельно для каждого предмета, с наглядными пособиями. В спортзале, где проходили уроки пения,

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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:09 | Сообщение # 2
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Образцовая школа в г. Марксе (Марксштадт).Фото 1960 г.

Die Musterschule in Marxstadt.

Бывшая мужская гимназия.

Фото предоставил Johannes Herber (Германия).


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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:11 | Сообщение # 3
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г. Маркс (Екатериненштадт, Марксштадт) Саратовской области.Фото 2007 г.

Проспект В.И. Ленина. Бывшая мужская гимназия, сейчас - школа искусств.

Фото предоставил Валерий Табояков (Россия).


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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:13 | Сообщение # 4
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г. Маркс (Екатериненштадт, Марксштадт) Саратовской области. Фото 2008 г.

Здание на проспекте В.И. Ленина - бывшая мужская гимназия. Во времена Республики немцев Поволжья в этом здании располагалось образцово-показательное училище (школа ОПУ), во время Великой Отечественной войны - общежитие, после войны - Дом быта, сейчас - школа искусств. Здание построено в 1911 г.


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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:15 | Сообщение # 5
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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:52 | Сообщение # 6
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SCHULE FÜR DIE DEUTSCHEN


Nach dem Ukas von Katharina II. durften die deutschen Ansiedler ihre nationalen Schulen eröffnen. Die wichtigste Schule war die Gemeindeschule. Sie existierte auf Mitteln der Einwohner. In Katharinenstadt (Baronsk, heute Marx) war die Schule in einem großen Gebäude untergebracht. Rund hundert Kinder waren in einem Saal eingezwängt. Als Lehrer arbeitete der Schulmeister, das heißt ein Kirchendiener. Die Schüler wurden nicht in Klassen eingeteilt. In der ersten Reihe, vor dem Schulmeister, saßen Kinder, die noch gar nichts konnten; diese Bankreihe wurde von den Kindern die „Eselsbank“ genannt. Hinter ihnen saßen diejenigen, die die Buchstaben schon kannten und aus ihnen Wörter zusammenstellen konnten. Weiter hinten saßen die, die schon die Bibel lesen konnten. Ganz hinten - solche, die dem Schulmeister schon helfen konnten. Doch der Schulmeister konnte einen beliebigen nach vorne setzen, auf die Eselsbank, wenn der die Hausaufgaben nicht gelernt hatte.

Die Gemeindeschule war ihrem Charakter nach eine Kirchenschule. Sie wurde vom Pastor persönlich geleitet, die Lehrer waren Kirchendiener. Der Lehrprozess war äußerst primitiv. Die Kinder begannen gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Schuljahr mehr oder weniger zu lesen. Als Lehrbücher dienten die Bibel, biblische Geschichten und eine Sammlung von Kirchenliedern. Es wurden körperliche Strafen angewandt. Die Eltern unterstützten solch eine Lehrmethode und dankten dem Schulmeister für die Erziehung ihrer Kinder in „Strenge“. Für das geringste Vergehen wurden die Kinder in die Ecke geschickt oder sie mussten mit den nackten Knien eine Zeitlang auf Erbsen stehen. Gehorsamkeit und Bestreben zum Lernen wurden mit einem Stock oder Lineal eingebleut. Auf dem Tisch des Schulmeisters lag ein meterlanges Lineal aus Eichenholz. Wenn kaum etwas war, erschallte der Befehl: „Die Hand!“ Dann bekam der „Schuldige“ eine bestimmte Anzahl Hiebe mit dem Lineal auf die Handfläche. So sorgte der Schulmeister für Disziplin. Über die Kenntnisse der Schüler ist schwer etwas zu sagen. Außer Religion gab es noch drei Fächer: Lesen, Schreiben und Landrechnungen.

Bis jetzt höre ich noch, wie mein Großvater las. Das war ein archikomplizierter Prozess. Zuerst nannte der Großvater laut alle Buchstaben, danach verband er sie in Silben, und erst dann las er mit einem Ruck das Wort. Doch er galt als gebildeter Mann: „er konnte lesen und schreiben“. Mit dem Schreiben stand es schlechter. Aber die Hauptsache war – dass der Mensch seinen Namen schreiben konnte. Noch als Schüler las ich für den Großvater und für die Nachbarn die Briefe, die sie erhielten. Das Geschriebene zu entziffern war schrecklich schwer: es wurde mit gotischen Buchstaben im eigenen Dialekt geschrieben.

Wenn die Kinder 13 Jahre alt waren bereitete sie der Pastor zur Konfirmation in der Kirche vor. Die Konfirmation war eine Art Staatsexamen. Mit ihr endete die Ausbildung der Bauern- und Handwerkerkinder.

In größeren Dörfern (Kolonien) gab es noch Vierklassenschulen für Kinder wohlhabender Dorfbürger, die so genannten „semstwoer“ Schulen, die von dem Semstwo (ein Verband wohlhabender Dorfbewohner) finanziert wurden. Sie hatten einen mehr weltlichen Charakter. Doch auch hier war das Fach Religion obligatorisch.

Noch gab es Privatschulen, die so genannten Nebenschulen. Irgendein gebildeter Mensch lehrte die Kinder zu Hause bei sich, so wie er es für notwendig hielt. Ich lernte zum Beispiel bei dem alten Stoll, danach bei dem gelähmten Dotz. Zu ihnen kamen vom frühen Morgen bis zum späten Abend Bauernkinder. Im Frühjahr bezahlten die Eltern diese Lehrer mit Naturalien: Holz, Stroh, Mehl... So verlief auch die professionelle Ausbildung in verschiedenen Gewerben. Die Jugendlichen lernten (richtiger: arbeiteten) bei einem Meister drei Jahre, danach konnten sie schon selbständig arbeiten.

Vor der Revolution gab es in Marxstadt ein Knabengymnasium und ein Mädchengymnasium. Doch hier wurde der Unterricht nicht in deutscher Sprache geführt.

Das Studium am Gymnasium kostete nicht wenig Geld: der Schulanzug, Wohnung, die Kost, Lehrmittel – für alles musste gezahlt werden. Außerdem war zur Aufnahme ins Gymnasium gewöhnlich noch eine Vorbereitung mit Hilfe von Repetitoren und Gouvernanten notwendig.

Das geistliche Seminar war in Saratow. Dort wurden Kultusdiener ausgebildet. Fähige Bauernjungen gingen dort hin, bekamen eine gute humanitäre Bildung, erlernten die lateinische und die griechische Sprache.

Im Jahre 1918 wurde die Kirche von der Schule getrennt, Religion wurde nicht mehr unterrichtet (doch in den Kirchen wurden die Kinder auch weiterhin in Theologie unterrichtet). Der Lehrplan wurde verändert, es wurden neue Fächer eingeführt: Malen, Gesang, Sport, Werkunterricht, Geographie, Biologie und Gesellschaftskunde. Alle hatten das Recht auf Bildung, doch bei weitem nicht alle hatten die Möglichkeit, dieses Recht auszunutzen, insbesondere die Bauernkinder, die in der Steppe wohnten. Zudem waren auch die Bauerneltern nicht überzeugt, dass ihre Kinder, hauptsächlich die Mädchen, so notwendig Bildung benötigten für die Arbeit in der Bauernwirtschaft. Deshalb wurde in den ersten Jahren nach der Revolution die Bildung weitläufig nach alter Art fortgesetzt.

Marxstadt wurde zum Muster für alle deutschen Kolonien an der Wolga. Das Knabengymnasium wurde in eine „musterhafte Neunjahresschule“ umbenannt, die Einwohner nannten sie kurz „Musterschule“. 1924 wurde eine zweite neunjährige Mittelschule eröffnet. Sie wurde vom örtlichen Haushalt finanziert. Unsere Eltern belegten sich freiwillig mit Steuern (Selbstbesteuerung) zugunsten der neuen Schule. Die zweite Neunjahresschule in Marxstadt am Ufer der Wolga war der erste Stein im Fundament der neuen sowjetischen deutschen Schule, sie wurde der Anfang der Volksbildung der Sowjetdeutschen an der Wolga in der Muttersprache. Vor dieser Schule stand die Aufgabe, nicht nur Kenntnisse zu vermitteln, sondern auch Lehrer für die deutschen Dorfschulen auszubilden. Die Schule war eine Mittelschule mit pädagogischer Ausrichtung. In den 8. und 9. Klassen wurde den Schülern ein kurzer Kurs in Psychologie und Pädagogik vorgetragen, sie absolvierten ein kurzes pädagogisches Praktikum bei erfahrenen Lehrern. So wurde das aller aktuellste Problem gelöst – die Ausbildung neuer Lehrer für die sowjetische Schule. Die meisten Studenten wurden nach der Absolvierung der Schule Dorfschullehrer. Die zweite wichtige Aufgabe der zweiten Neunjahresschule war die Vorbereitung der Studenten für die künftigen deutschen Hochschulen.

Die Schulkinder-Komsomolzen trugen damals die Junger-Stürmer-Kleidung, damit ein jeder in ihnen ein Beispiel für alle jungen Leute sehen konnte. In den Schulen funktionierten verschiedene Zirkel, wo der Schüler zusätzliches Wissen schöpfen konnte. Was noch wertvoller war – wir lernten hier Selbständigkeit. Eine besondere Mission erfüllte die Laienkunst der Schüler. Unser dramatische Zirkel, unser Orchester, unsere „lebenden Zeitungen“, unsere Sportzirkel – das war nicht nur ein interessanter Zeitvertreib. All das war in erster Linie eine politische Agitations- und Massenarbeit. Die Schule propagierte alle progressiven Seiten des neuen Lebens. So machte sich das Volk mit unserem Kulturerbe bekannt. Viele Eltern hörten in unseren Aufführungen zum ersten Mal von den Werken der großen deutschen Schriftsteller Goethe, Schiller, Heine. Mit der Aufführung der Stücke unseres Zeitgenossen Franz Bach machten wir die Erwachsenen mit der Geschichte der Deutschen in Russland bekannt. Durch die Verbreitung von Zeitungen und besonders der Zeitschrift „Wirtschaft“ erzielten wir eine Vergrößerung der Zahl der Besucher von Bibliotheken und Lesesälen.

Wir sind bis heute unserem Direktor für die Reisen durch unser Land dankbar. Die Sowjetdeutschen an der Wolga verließen infolge der Sprachbarriere (die meisten beherrschten die russische Sprache nicht oder nur schlecht) ihr Leben lang ihr Heimatdorf nicht. Deswegen waren für uns Bauernkinder diese Exkursionen so wichtig und nützlich. Wir gingen bis zu 150 km zu Fuß – bis zum letzten deutschen Dorf Schaffhausen. In den Dörfern traten wir vor den Einwohnern mit Konzerten und mit Vorträgen auf. Danach folgten Reisen auf der Wolga bis Saratow und Gorki, eine Fahrt für 10 Tage nach Moskau. Sie wurde von unserem Direktor E. N. Belendir organisiert. Ein ganzes Jahr lang erarbeiteten wir uns auf allerlei Art und Weise das Geld für diese Reise, trockneten Zwieback (zu kaufen gab es damals nichts). Und wir entdeckten für uns die Welt. Wir sahen unser Land. Unterhielten uns mit den Arbeitern in den Werkabteilungen in Sormowo. Die erste Oper, die wir uns ansahen und anhörten, war „Boris Godunow“ im Großen Theater in Moskau. So erweiterten wir unseren Gesichtskreis.

Den zweiten Baustein im Fundament der Volksbildung der Sowjetdeutschen war die Eröffnung des Marxstädter Pädagogischen Technikums. Um den Schulmeister durch einen echten Pädagogen zu ersetzen, mussten schnellstens Kader aus den Reihen der Arbeiter und Bauern ausgebildet werden. Das schaffte erfolgreich das Marxstädter Pädtechnikum, von hier gingen Hunderte Lehrer in die deutschen Dörfer. Das Technikum wurde von dem ältesten Bruder unseres Direktors Nikolai Nikolajewitsch Belendir geleitet (aus der Familie der Belendirs waren 8 Geschwister in den Schulen der Deutschen Republik tätig!) Der Kommunist Nikolai Belendir scharte um sich ein glänzendes pädagogisches Kollektiv: Trippel, Bartels, Fischer, Felde, Dreher und andere – und baute eine Hochschule neuen Typs auf.

Es begann die Vorbereitung zur Eröffnung deutscher Institute. Einen Teil der künftigen Studenten lieferten die Neunjahresschulen, die schon in Marxstadt und in vielen großen Dörfern funktionierten: in Seelmann, Balzer, Hussenbach, Grimm. Es wurde eine Rabfak (Arbeiterfakultät) gegründet. Zum Jahre 1929 waren alle Bedingungen für die Gründung einer deutschen Hochschule geschaffen, und die Regierung beschloss, in Engels ein deutsches Agro-Päd-Institut zu eröffnen. Es ging natürlich nicht ohne Schwierigkeiten: es musste ein Gebäude für das Institut gesucht werden, für ein Studentenheim, Wohnungen für die Lehrkräfte, was alles sehr kompliziert war, denn in jener Zeit wurde überhaupt nichts gebaut. Endlich wurde in der Nowousenskaja-Straße ein passendes Gebäude gefunden. Eine Bibliothek für deutsche Fachliteratur wurde in Deutschland für Valuta gekauft.

Das nächste Problem war, woher Lehrer nehmen, Dozenten, Professoren für die Organisierung des Lehrprozesses in deutscher Sprache? Es kamen aus rein patriotischem Antrieb Professor Dinges, die Dozenten Haimann, Bischof. Der bekannte Professor Franz Petrowitsch Schiller (geboren in Mariental) aus dem Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau kam jeden Monat für drei Tage und hielt einen Kurs Vorlesungen in deutscher Literatur. Über die Wolga aus der Saratower Universität kamen die Professoren Krogius, Gertschikow, Mann, Dulson und andere. So formierte sich das Professoren- und Lehrerkollektiv.

Anfänglich wurden erst nur eine linguistische und eine sozialökonomische Abteilungen eröffnet. Im Lehrprozess waltete völlige Demokratie, es herrschte die „Brigadenmethode“ unter den Studenten, das heißt: ein Student legte in irgendeinem Fach die Prüfung für die ganze Gruppe ab, ein anderer – in einem anderen Fach. Wer was ablegte – das entschied die Gruppe. Es gab keine Kuratoren, alles entschied der Komsomol. Sogar die Charakteristiken und die Einweisung der Absolventen in die Schulen wurden von der Komsomolorganisation herausgegeben. Oftmals wurden die Studenten vom Studium weggerissen und in die Dörfer geschickt zur Organisierung von Kolchosen und zur Getreidefertigstellung. Und trotzdem lernten die Studenten fleißig, sie wollten schneller Pädagogen werden und in die deutschen Schulen gehen, wo sie so sehr erwartet wurden. Noch als Studenten nahmen wir an Lehrerkonferenzen der Kantone (Rayons) teil und wurden schon als echte Lehrer angesehen. Noch als Studenten arbeiteten wir an der Zusammenstellung von Lehrbüchern und Lehrmitteln für die deutschen Schulen, die vom deutschen Verlag in Engels herausgegeben wurden. Hier führe ich einige Namen von Autoren der Lehrbücher an: S. Heinz, E. Hummel, V. Wormsbecher, F. Emich, A. Sänger, G. Assmus. Diese Lehrbücher und Lehrmittel wurden in allen deutschen Schulen im ganzen Land benutzt.

Ungeachtet dessen, dass die Lehrzeit bis auf 3 1/2 Jahre reduziert wurde, wurden die Studenten nach dem Absolvieren des Instituts hoch qualifizierte Pädagogen. Unsere Professoren und Pädagogen hatten ihre Aufgabe erfüllt und gaben der ASSRdWD schon im ersten Jahrgang 1932 80 Lehrer mit Hochschulbildung. Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Hochschulbildung spielte der erste Rektor des Instituts Frau Anna Georgijewna Paul, die von N.K. Krupskaja aus der Kommunistischen Universität Moskau hier hergeschickt wurde.

Viele der ersten Absolventen erhielten sofort leitende Posten: E. Meier wurde Leiter der Stadtabteilung Volksbildung von Engels; J. Focht, S. Heinz, E. Dube, O. Weinzettel wurden als Inspektoren des Volkskommissariats für Bildungswesen der Republik eingestellt; O. Lieder wurde Mitarbeiter der Redaktion der Zeitung „Rote Jugend“; I. Bersch und K. Rais wurden Assistenten am Lehrstuhl, A. Raisch – Direktor des Marxstädter Pädtechnikums, K. Welsch – Direktor des Seelmänner Pädtechnikums. Als Lehrer des Marxstädter Pädtechnikums wurden F. Biber, V. Wormsbecher, I. Gauert eingestellt. Die Absolventen Jürg, Bach, Simon, Wasenmüller, Assmus, Kober unterrichteten in verschiedenen Fachschulen. F. Ulrich, E. Hummel, F. Emich wurden Lehrstuhlleiter in der berühmten deutschen Schule in Engels, deren pädagogisches Kollektiv fast ausschließlich aus Absolventen des Pädinstituts bestand. Die übrigen Absolventen des Jahrgangs 1932 arbeiteten in Dorfschulen und erfüllten gewissenhaft ihre Pflichten.

In den 30er Jahren wurden Techniken verschiedener Industriezweige gegründet: ein Mechanisches Technikum in Marxstadt, Landwirtschaftliche in Krasnyj Kut, Hussenbach, Krasnojar, Balzer. In Engels funktionierten schon drei Institute: das Pädinstitut, das Landwirtschaftliche Institut und die Kommunistische Hochschule. An allen Hochschulen wurde der Unterricht in deutscher Sprache geführt. Eine hervorragende Rolle in der Entwicklung des Bildungswesens spielte der Verlag „Nemisdat“, der sämtliche deutsche Schulen des Landes mit Lehrbüchern versorgte. Die Autonome Republik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) wurde zum Zentrum der Entwicklung des Bildungswesens und der Kultur aller Sowjetdeutschen, die im Kaukasus, in der Ukraine und in Sibirien lebten.

Die ASSRdWD wurde auf den Partei- und Sowjetforums als „musterhafte autonome Republik“, als „Kornkammer an der Wolga“ gepriesen. Eine der Voraussetzungen solch schnellen Wachstums der Ökonomik, Kultur und der sozialen Sphäre war die Gründung eines harmonischen perspektiven Bildungssystems – vom Kindergarten bis zum Institut und Aspirantur. Dies ist auch heutzutage ein sicherer Weg zur Konsolidierung der zwei Millionen Sowjetdeutschen, wo sie auch in der Sowjetunion nicht leben.

F. Emich

ВОЛГА Литературный журнал (г. Саратов) № 2 1990 г.

Die Seite wurde von Alexander Spack (Wolgograd) vorbereitet, übersetzt von Johannes Herber (Deutschland).


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WinterДата: Воскресенье, 23.10.2011, 12:54 | Сообщение # 7
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ШКОЛА ДЛЯ НЕМЦЕВ


По указу Екатерины II немцы-переселенцы могли открывать свои национальные школы. Главной школой была общинная - Gemeindeschule. Она существовала на средства сельчан. В Екатериненштадте (Баронск, ныне город Маркс) такая школа располагалась в большом доме. Около ста ребят были втиснуты в зал. Учителем работал шульмайстер, то есть служитель церкви. Деления на классы не было. На первом ряду сидели дети, которые ещё ничего не умели; ребята называли этот ряд ослиным (Eselbank). За ним сидели те, кто мог называть буквы и слагать слова, далее - умевшие читать Библию. Позади располагались способные уже помогать шульмайстеру. Но шульмайстер мог любого перевести на первую - ослиную парту, если тот не выучил задания.

Общинная школа по характеру - церковная. Руководил ею сам пастор, а преподавали - служители церкви. Учебный процесс был крайне примитивен. Дети обыкновенно только ко второму или третьему году обучения начинали сносно читать. Учебниками служили Библия, библейская история и сборник церковных песен. Применялись физические наказания. Родители поддерживали это и благодарили шульмайстера за воспитание их детей "в строгости". За малейшую провинность детей отправляли и угол или ставили коленями на горох. Послушание и, стремление к учёбе вбивались палкой и линейкой. На столе шульмайстера лежала метровая дубовая линейка. Чуть что - звучал приказ: "Руку!" Так шульмайстер обеспечивал дисциплину. О знаниях учащихся трудно говорить. Кроме религии, были ещё три предмета: чтение, письмо и земельные расчёты - Landrechnungen.

До сих пор я слышу чтение моего деда. Архисложный был процесс. Сперва дед называл громко все буквы, потом соединял их в слоги и только после приступом читал слово. Но его относили к образованным людям: "умел читать и писать". С письмом положение было ещё хуже. Главное, чтобы человек мог расписываться. Ещё учеником я читал письма для деда и для соседей. Разобрать написанное было ужасно трудно: писали готическим шрифтом на своём диалекте.

Пастор готовил детей - когда им исполнялось тринадцать лет - к конфирмации в церкви. Конфирмация - подобие государственного экзамена. Ею заканчивалось образование детей крестьян и ремесленников.

В больших деревнях (Kolonien) были ещё земские четырёхклассные школы, их финансировали земства. Они имели более светский характер. Но и здесь главным предметом была религия.

Существовали ещё частные школы (Nebenschule). Образованный человек учил детей у себя дома, как он считал нужным. Так, я учился в Марксштадте у старика Штола, потом у парализованного Доца. К ним с утра до вечера приходили па учёбу крестьянские дети. Весной родители платили натурой: дровами, соломой, мукой... Так же велась профессиональная подготовка к разным ремёслам. Юноши учились (вернее, работали) у одного мастера три года, после чего могли уже работать самостоятельно.

До революции в Марксштадте были мужская и женская гимназии. Но здесь преподавали не на немецком языке.

Учёба в гимназии стоила немалых денег: форма, квартира, питание, учебные пособия - за всё надо было платить. Притом для поступления в гимназию требовалась обыкновенно ещё подготовка с помощью репетиторов, гувернёров.

Церковная семинария была в Саратове. Там готовили служителей культа. Способные юноши из крестьян подавались туда, получали хорошее гуманитарное образование, обучались латинскому и греческому языкам.

В 1918 году церковь была отделена от школы, религия больше не преподавалась (но в церквах продолжали обучать детей богословию). Изменился учебный план, ввели новые предметы: рисование, пение, физкультуру, труд, географию, биологию и обществоведение. Все имели право учиться, но далеко не все, особенно дети крестьян, которые жили в степи, имели возможность использовать это право. К тому же и родители-крестьяне не были убеждены, что их детям, особенно девушкам, так уж необходимо образование для работы в хозяйстве. Поэтому в первые годы после революции обучение во многом продолжалось по-старому.

Город Марксштадт стал примером для всех немецких колоний на Волге. Мужскую гимназию переименовали в "образцовую девятилетку". В 1924 году открыли вторую среднюю девятилетку. Она существовала на местном бюджете. Наши родители добровольно ввели самообложение - налог в пользу новой школы. Вторая девятилетка в Марксштадте на берегу Волги была первым камнем в фундаменте новой советской немецкой школы, стала началом народного образования советских немцев на Волге на родном языке. Перед этой школой стояла задача не только дать знания, но и подготовить учителей для сельских немецких школ. Школа называлась средней с педагогическим уклоном. В 8-9 классах ученики слушали краткий курс психологии и педагогики, проходили краткую педагогическую практику у учителей-мастеров. Так решалась самая актуальная проблема - подготовка новых учителей для советской школы. Большинство студентов после окончания стали сельскими учителями. Вторая важная задача второй девятилетки - готовить будущих студентов для будущих немецких институтов.

Комсомольцы-школьники носили тогда юнгштурмформу, чтобы каждый видел в них пример для всех молодых людей. В школах действовали предметные кружки, где ученик получал дополнительные знания. Ещё ценнее - там мы учились самостоятельности. Особую миссию выполняла художественная самодеятельность учеников. Наш драмкружок, наш оркестр, наши "живые, газеты", наши спортивные кружки - не только интересное времяпрепровождение. Всё это было в первую очередь политической, массовой агитационной работой. Школа пропагандировала все прогрессивные стороны новой жизни. Так народ знакомился с нашим культурным наследием. Многие из родителей на наших представлениях впервые услышали произведения великих немецких писателей Гёте, Шиллера, Гейне. Постановкой пьес нашего современника Франца Баха мы ознакомили взрослых с историей немцев в России. Через распространение газет и особенно журнала "Хозяйство" ("Wirtschaft") мы добились увеличения посещения библиотек и читален.

Ещё мы до сих- пор благодарны нашему директору за путешествия по стране. Советские немцы на Волге вследствие языкового барьера (большинство их не владели русским языком или знали его очень плохо) часто всю жизнь не выезжали из родного села. Вот почему для нас, крестьянских детей, так важны и полезны были эти экскурсии. Мы проходили пешком по 150 километров - до последнего немецкого села Шафгаузен. В сёлах выступали перед населением с концертами и докладами. Потом следовали путешествия по Волге до Саратова и Горького, поездка на десять дней в Москву. Их организовал наш директор Е. Н. Белендир. Целый год мы всякими способами зарабатывали деньги на путешествие, сушили сухари (купить тогда негде было). И мы открывали для себя мир. Мы увидели нашу страну. Беседовали с рабочими в цехах Сормовского завода. Первая опера, которую мы видели, была "Борис Годунов" в Большом театре в Москве. Так расширился наш кругозор.

Второй камень в фундаменте народного образования советских немцев на Волге положило открытие Марксштадтского педтехникума. Чтобы заменить шульмайстера настоящим педагогом, надо было срочно обучать кадры из рядов рабочих и крестьян. С этим успешно справился Марксштадтский педтехникум, отсюда многие сотни учителей пошли в немецкие сёла. Техникум возглавлял старший брат нашего директора Николай Николаевич Белендир (из семьи Белендиров в школах Немреспублики работали 8 братьев и сестёр!). Коммунист Николай Белендир собрал вокруг себя блестящий педагогический коллектив: Триппель, Бартельс, Фишер, Фельде, Дреер и другие - и построил учебное заведение нового типа.

Началась подготовка к открытию немецких институтов. Часть будущих студентов дали девятилетки, которые уже функционировали в городе Марксштадте во многих больших сёлах: в Зельмане, Бальцере, Гусеенбахе, Гримме. Был организован также рабфак. К 1929 году были созданы все условия для создания немецкой высшей школы, и правительство решило открыть в городе Энгельсе немецкий агро-пединститут. Не обошлось без трудностей: искали помещение для института, для общежития, квартиры для преподавателей, что было весьма сложно - ведь тогда ничего не строилось. На улице Новоузенской нашли здание. Библиотеку немецкой специальной литературы купили за валюту в Германии.

Следующая сложность - откуда взять преподавателей, доцентов, профессоров для организации учебного, процесса на немецком языке? Приехали из патриотических побуждений профессор Дингес, доценты Гайман, Бишоф. Известный профессор Франц Петрович Шиллер (уроженец села Мариенталь) из института Маркса-Энгельса-Ленина в Москве приезжал, каждый месяц на три дня и читал нам курс немецкой литературы. Переправлялись через Волгу из Саратовского университета профессора Крогиус, Герчиков, Манн, Дульзон и другие. Так сформировался профессорско-преподавательский коллектив.

Первоначально открылись только лингвистическое и социально-экономическое отделения. В учебном процессе царила полная демократия, господствовал "бригадный метод". Никаких кураторов, всё решал комсомол. Даже характеристики и направления выпускникам выдавала комсомольская организация. Часто студентов отрывали от учёбы и посылали в сёла для организации колхозов, на хлебозаготовки. И всё же студенты учились прилежно, желая быстрее стать педагогами и поехать в немецкие сельские школы, где их так ждали. Мы ещё студентами участвовали в кантонных (районных) учительских конференциях и считались уже настоящими учителями. Ещё студентами мы разработали учебники и учебные пособия для немецких школ, которые выпускались немецким издательством в Энгельсе. Вот несколько имён авторов учебников: С. Гейнц, Э. Гуммель, В. Вормсбехер, Ф. Эмих, А. Зенгер, Г. Асмус. Эти учебники и пособия использовались во всех немецких школах по всей стране.

Несмотря на то что время учёбы было сокращено до трёх с половиной лет, студенты к окончанию института становились высококвалифицированными педагогами. Наши профессора и педагоги .выполнили свою задачу и дали Немреспублике уже первым выпуском 1932 года 80 учителей с высшим образованием. Особую роль в развитии высшего образования сыграл первый ректор института Анна Георгиевна Пауль, посланная Н. К. Крупской из Коммунистического университета в Москве.

Многие первые выпускники были назначены сразу на руководящие должности: Э. Майер стал зав. гороно города Энгельса; Я. Фохт, С. Гейнц, Э. Дубе, О. Вайнцетель - инспекторами Наркомпроса республики; О. Лидер начал работать в редакции газеты "Роте Югент"; И. Берш и К. Раис стали ассистентами при кафедре, А. Райш - директором Марксштадтского педтехникума, К. Велш - директором Зельманского педтехникума. Преподавателями Марксштадтского педтехникума стали Ф. Бибер, В. Вормсбехер, И. Гауерт. Выпускники Юрг, Бах, Зимон, Вазенмиллер, Асмус, Кобер преподавали в разных техникумах. Ф. Ульрих, Э. Гуммел, Ф. Эмих были завучами в знаменитой немецкой школе в Энгельсе, педколлектив которой почти полностью состоял из выпускников пединститута. Остальные выпускники 1932 года работали в сельских школах и честно выполняли свои обязанности.

В тридцатые годы были организованы отраслевые техникумы: механический в Марксштадте, сельскохозяйственные в Красном Куте, Гуссенбахе, Красном Яре, Бальцере. В городе Энгельсе функционировали уже три института: пединститут, сельскохозяйственный и комвуз. Во всех вузах преподавание велось на немецком языке. Огромную роль для развития образования играл "Немиздат", который обеспечивал учебниками все немецкие школы страны. Автономная республика немцев Поволжья стала центром развития образования и культуры всех советских немцев, проживавших на Кавказе, на Украине, в Сибири.

Автономная республика немцев на Волге на партийных и советских форумах была названа "образцовой автономной республикой", "житницей на Волге". Одной из предпосылок такого быстрого роста экономики, культуры и социальной сферы было создание стройной перспективной системы образования - от детского сада до института с аспирантурой. Это и сейчас верный путь для консолидации двух миллионов советских немцев, где бы они ни жили в Советском Союзе.
Ф. Эмих


SCHULE FÜR DIE DEUTSCHEN

Nach dem Ukas von Katharina II. durften die deutschen Ansiedler ihre nationalen Schulen eröffnen. Die wichtigste Schule war die Gemeindeschule. Sie existierte auf Mitteln der Einwohner. In Katharinenstadt (Baronsk, heute Marx) war die Schule in einem großen Gebäude untergebracht. Rund hundert Kinder waren in einem Saal eingezwängt. Als Lehrer arbeitete der Schulmeister, das heißt ein Kirchendiener. Die Schüler wurden nicht in Klassen eingeteilt. In der ersten Reihe, vor dem Schulmeister, saßen Kinder, die noch gar nichts konnten; diese Bankreihe wurde von den Kindern die „Eselsbank“ genannt. Hinter ihnen saßen diejenigen, die die Buchstaben schon kannten und aus ihnen Wörter zusammenstellen konnten. Weiter hinten saßen die, die schon die Bibel lesen konnten. Ganz hinten - solche, die dem Schulmeister schon helfen konnten. Doch der Schulmeister konnte einen beliebigen nach vorne setzen, auf die Eselsbank, wenn der die Hausaufgaben nicht gelernt hatte.

Die Gemeindeschule war ihrem Charakter nach eine Kirchenschule. Sie wurde vom Pastor persönlich geleitet, die Lehrer waren Kirchendiener. Der Lehrprozess war äußerst primitiv. Die Kinder begannen gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Schuljahr mehr oder weniger zu lesen. Als Lehrbücher dienten die Bibel, biblische Geschichten und eine Sammlung von Kirchenliedern. Es wurden körperliche Strafen angewandt. Die Eltern unterstützten solch eine Lehrmethode und dankten dem Schulmeister für die Erziehung ihrer Kinder in „Strenge“. Für das geringste Vergehen wurden die Kinder in die Ecke geschickt oder sie mussten mit den nackten Knien eine Zeitlang auf Erbsen stehen. Gehorsamkeit und Bestreben zum Lernen wurden mit einem Stock oder Lineal eingebleut. Auf dem Tisch des Schulmeisters lag ein meterlanges Lineal aus Eichenholz. Wenn kaum etwas war, erschallte der Befehl: „Die Hand!“ Dann bekam der „Schuldige“ eine bestimmte Anzahl Hiebe mit dem Lineal auf die Handfläche. So sorgte der Schulmeister für Disziplin. Über die Kenntnisse der Schüler ist schwer etwas zu sagen. Außer Religion gab es noch drei Fächer: Lesen, Schreiben und Landrechnungen.

Bis jetzt höre ich noch, wie mein Großvater las. Das war ein archikomplizierter Prozess. Zuerst nannte der Großvater laut alle Buchstaben, danach verband er sie in Silben, und erst dann las er mit einem Ruck das Wort. Doch er galt als gebildeter Mann: „er konnte lesen und schreiben“. Mit dem Schreiben stand es schlechter. Aber die Hauptsache war – dass der Mensch seinen Namen schreiben konnte. Noch als Schüler las ich für den Großvater und für die Nachbarn die Briefe, die sie erhielten. Das Geschriebene zu entziffern war schrecklich schwer: es wurde mit gotischen Buchstaben im eigenen Dialekt geschrieben.

Wenn die Kinder 13 Jahre alt waren bereitete sie der Pastor zur Konfirmation in der Kirche vor. Die Konfirmation war eine Art Staatsexamen. Mit ihr endete die Ausbildung der Bauern- und Handwerkerkinder.

In größeren Dörfern (Kolonien) gab es noch Vierklassenschulen für Kinder wohlhabender Dorfbürger, die so genannten „semstwoer“ Schulen, die von dem Semstwo (ein Verband wohlhabender Dorfbewohner) finanziert wurden. Sie hatten einen mehr weltlichen Charakter. Doch auch hier war das Fach Religion obligatorisch.

Noch gab es Privatschulen, die so genannten Nebenschulen. Irgendein gebildeter Mensch lehrte die Kinder zu Hause bei sich, so wie er es für notwendig hielt. Ich lernte zum Beispiel bei dem alten Stoll, danach bei dem gelähmten Dotz. Zu ihnen kamen vom frühen Morgen bis zum späten Abend Bauernkinder. Im Frühjahr bezahlten die Eltern diese Lehrer mit Naturalien: Holz, Stroh, Mehl... So verlief auch die professionelle Ausbildung in verschiedenen Gewerben. Die Jugendlichen lernten (richtiger: arbeiteten) bei einem Meister drei Jahre, danach konnten sie schon selbständig arbeiten.

Vor der Revolution gab es in Marxstadt ein Knabengymnasium und ein Mädchengymnasium. Doch hier wurde der Unterricht nicht in deutscher Sprache geführt.

Das Studium am Gymnasium kostete nicht wenig Geld: der Schulanzug, Wohnung, die Kost, Lehrmittel – für alles musste gezahlt werden. Außerdem war zur Aufnahme ins Gymnasium gewöhnlich noch eine Vorbereitung mit Hilfe von Repetitoren und Gouvernanten notwendig.

Das geistliche Seminar war in Saratow. Dort wurden Kultusdiener ausgebildet. Fähige Bauernjungen gingen dort hin, bekamen eine gute humanitäre Bildung, erlernten die lateinische und die griechische Sprache.

Im Jahre 1918 wurde die Kirche von der Schule getrennt, Religion wurde nicht mehr unterrichtet (doch in den Kirchen wurden die Kinder auch weiterhin in Theologie unterrichtet). Der Lehrplan wurde verändert, es wurden neue Fächer eingeführt: Malen, Gesang, Sport, Werkunterricht, Geographie, Biologie und Gesellschaftskunde. Alle hatten das Recht auf Bildung, doch bei weitem nicht alle hatten die Möglichkeit, dieses Recht auszunutzen, insbesondere die Bauernkinder, die in der Steppe wohnten. Zudem waren auch die Bauerneltern nicht überzeugt, dass ihre Kinder, hauptsächlich die Mädchen, so notwendig Bildung benötigten für die Arbeit in der Bauernwirtschaft. Deshalb wurde in den ersten Jahren nach der Revolution die Bildung weitläufig nach alter Art fortgesetzt.

Marxstadt wurde zum Muster für alle deutschen Kolonien an der Wolga. Das Knabengymnasium wurde in eine „musterhafte Neunjahresschule“ umbenannt, die Einwohner nannten sie kurz „Musterschule“. 1924 wurde eine zweite neunjährige Mittelschule eröffnet. Sie wurde vom örtlichen Haushalt finanziert. Unsere Eltern belegten sich freiwillig mit Steuern (Selbstbesteuerung) zugunsten der neuen Schule. Die zweite Neunjahresschule in Marxstadt am Ufer der Wolga war der erste Stein im Fundament der neuen sowjetischen deutschen Schule, sie wurde der Anfang der Volksbildung der Sowjetdeutschen an der Wolga in der Muttersprache. Vor dieser Schule stand die Aufgabe, nicht nur Kenntnisse zu vermitteln, sondern auch Lehrer für die deutschen Dorfschulen auszubilden. Die Schule war eine Mittelschule mit pädagogischer Ausrichtung. In den 8. und 9. Klassen wurde den Schülern ein kurzer Kurs in Psychologie und Pädagogik vorgetragen, sie absolvierten ein kurzes pädagogisches Praktikum bei erfahrenen Lehrern. So wurde das aller aktuellste Problem gelöst – die Ausbildung neuer Lehrer für die sowjetische Schule. Die meisten Studenten wurden nach der Absolvierung der Schule Dorfschullehrer. Die zweite wichtige Aufgabe der zweiten Neunjahresschule war die Vorbereitung der Studenten für die künftigen deutschen Hochschulen.

Die Schulkinder-Komsomolzen trugen damals die Junger-Stürmer-Kleidung, damit ein jeder in ihnen ein Beispiel für alle jungen Leute sehen konnte. In den Schulen funktionierten verschiedene Zirkel, wo der Schüler zusätzliches Wissen schöpfen konnte. Was noch wertvoller war – wir lernten hier Selbständigkeit. Eine besondere Mission erfüllte die Laienkunst der Schüler. Unser dramatische Zirkel, unser Orchester, unsere „lebenden Zeitungen“, unsere Sportzirkel – das war nicht nur ein interessanter Zeitvertreib. All das war in erster Linie eine politische Agitations- und Massenarbeit. Die Schule propagierte alle progressiven Seiten des neuen Lebens. So machte sich das Volk mit unserem Kulturerbe bekannt. Viele Eltern hörten in unseren Aufführungen zum ersten Mal von den Werken der großen deutschen Schriftsteller Goethe, Schiller, Heine. Mit der Aufführung der Stücke unseres Zeitgenossen Franz Bach machten wir die Erwachsenen mit der Geschichte der Deutschen in Russland bekannt. Durch die Verbreitung von Zeitungen und besonders der Zeitschrift „Wirtschaft“ erzielten wir eine Vergrößerung der Zahl der Besucher von Bibliotheken und Lesesälen.

Wir sind bis heute unserem Direktor für die Reisen durch unser Land dankbar. Die Sowjetdeutschen an der Wolga verließen infolge der Sprachbarriere (die meisten beherrschten die russische Sprache nicht oder nur schlecht) ihr Leben lang ihr Heimatdorf nicht. Deswegen waren für uns Bauernkinder diese Exkursionen so wichtig und nützlich. Wir gingen bis zu 150 km zu Fuß – bis zum letzten deutschen Dorf Schaffhausen. In den Dörfern traten wir vor den Einwohnern mit Konzerten und mit Vorträgen auf. Danach folgten Reisen auf der Wolga bis Saratow und Gorki, eine Fahrt für 10 Tage nach Moskau. Sie wurde von unserem Direktor E. N. Belendir organisiert. Ein ganzes Jahr lang erarbeiteten wir uns auf allerlei Art und Weise das Geld für diese Reise, trockneten Zwieback (zu kaufen gab es damals nichts). Und wir entdeckten für uns die Welt. Wir sahen unser Land. Unterhielten uns mit den Arbeitern in den Werkabteilungen in Sormowo. Die erste Oper, die wir uns ansahen und anhörten, war „Boris Godunow“ im Großen Theater in Moskau. So erweiterten wir unseren Gesichtskreis.

Den zweiten Baustein im Fundament der Volksbildung der Sowjetdeutschen war die Eröffnung des Marxstädter Pädagogischen Technikums. Um den Schulmeister durch einen echten Pädagogen zu ersetzen, mussten schnellstens Kader aus den Reihen der Arbeiter und Bauern ausgebildet werden. Das schaffte erfolgreich das Marxstädter Pädtechnikum, von hier gingen Hunderte Lehrer in die deutschen Dörfer. Das Technikum wurde von dem ältesten Bruder unseres Direktors Nikolai Nikolajewitsch Belendir geleitet (aus der Familie der Belendirs waren 8 Geschwister in den Schulen der Deutschen Republik tätig!) Der Kommunist Nikolai Belendir scharte um sich ein glänzendes pädagogisches Kollektiv: Trippel, Bartels, Fischer, Felde, Dreher und andere – und baute eine Hochschule neuen Typs auf.

Es begann die Vorbereitung zur Eröffnung deutscher Institute. Einen Teil der künftigen Studenten lieferten die Neunjahresschulen, die schon in Marxstadt und in vielen großen Dörfern funktionierten: in Seelmann, Balzer, Hussenbach, Grimm. Es wurde eine Rabfak (Arbeiterfakultät) gegründet. Zum Jahre 1929 waren alle Bedingungen für die Gründung einer deutschen Hochschule geschaffen, und die Regierung beschloss, in Engels ein deutsches Agro-Päd-Institut zu eröffnen. Es ging natürlich nicht ohne Schwierigkeiten: es musste ein Gebäude für das Institut gesucht werden, für ein Studentenheim, Wohnungen für die Lehrkräfte, was alles sehr kompliziert war, denn in jener Zeit wurde überhaupt nichts gebaut. Endlich wurde in der Nowousenskaja-Straße ein passendes Gebäude gefunden. Eine Bibliothek für deutsche Fachliteratur wurde in Deutschland für Valuta gekauft.

Das nächste Problem war, woher Lehrer nehmen, Dozenten, Professoren für die Organisierung des Lehrprozesses in deutscher Sprache? Es kamen aus rein patriotischem Antrieb Professor Dinges, die Dozenten Haimann, Bischof. Der bekannte Professor Franz Petrowitsch Schiller (geboren in Mariental) aus dem Marx-Engels-Lenin-Institut in Moskau kam jeden Monat für drei Tage und hielt einen Kurs Vorlesungen in deutscher Literatur. Über die Wolga aus der Saratower Universität kamen die Professoren Krogius, Gertschikow, Mann, Dulson und andere. So formierte sich das Professoren- und Lehrerkollektiv.

Anfänglich wurden erst nur eine linguistische und eine sozialökonomische Abteilungen eröffnet. Im Lehrprozess waltete völlige Demokratie, es herrschte die „Brigadenmethode“ unter den Studenten, das heißt: ein Student legte in irgendeinem Fach die Prüfung für die ganze Gruppe ab, ein anderer – in einem anderen Fach. Wer was ablegte – das entschied die Gruppe. Es gab keine Kuratoren, alles entschied der Komsomol. Sogar die Charakteristiken und die Einweisung der Absolventen in die Schulen wurden von der Komsomolorganisation herausgegeben. Oftmals wurden die Studenten vom Studium weggerissen und in die Dörfer geschickt zur Organisierung von Kolchosen und zur Getreidefertigstellung. Und trotzdem lernten die Studenten fleißig, sie wollten schneller Pädagogen werden und in die deutschen Schulen gehen, wo sie so sehr erwartet wurden. Noch als Studenten nahmen wir an Lehrerkonferenzen der Kantone (Rayons) teil und wurden schon als echte Lehrer angesehen. Noch als Studenten arbeiteten wir an der Zusammenstellung von Lehrbüchern und Lehrmitteln für die deutschen Schulen, die vom deutschen Verlag in Engels herausgegeben wurden. Hier führe ich einige Namen von Autoren der Lehrbücher an: S. Heinz, E. Hummel, V. Wormsbecher, F. Emich, A. Sänger, G. Assmus. Diese Lehrbücher und Lehrmittel wurden in allen deutschen Schulen im ganzen Land benutzt.

Ungeachtet dessen, dass die Lehrzeit bis auf 3 1/2 Jahre reduziert wurde, wurden die Studenten nach dem Absolvieren des Instituts hoch qualifizierte Pädagogen. Unsere Professoren und Pädagogen hatten ihre Aufgabe erfüllt und gaben der ASSRdWD schon im ersten Jahrgang 1932 80 Lehrer mit Hochschulbildung. Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Hochschulbildung spielte der erste Rektor des Instituts Frau Anna Georgijewna Paul, die von N.K. Krupskaja aus der Kommunistischen Universität Moskau hier hergeschickt wurde.

Viele der ersten Absolventen erhielten sofort leitende Posten: E. Meier wurde Leiter der Stadtabteilung Volksbildung von Engels; J. Focht, S. Heinz, E. Dube, O. Weinzettel wurden als Inspektoren des Volkskommissariats für Bildungswesen der Republik eingestellt; O. Lieder wurde Mitarbeiter der Redaktion der Zeitung „Rote Jugend“; I. Bersch und K. Rais wurden Assistenten am Lehrstuhl, A. Raisch – Direktor des Marxstädter Pädtechnikums, K. Welsch – Direktor des Seelmänner Pädtechnikums. Als Lehrer des Marxstädter Pädtechnikums wurden F. Biber, V. Wormsbecher, I. Gauert eingestellt. Die Absolventen Jürg, Bach, Simon, Wasenmüller, Assmus, Kober unterrichteten in verschiedenen Fachschulen. F. Ulrich, E. Hummel, F. Emich wurden Lehrstuhlleiter in der berühmten deutschen Schule in Engels, deren pädagogisches Kollektiv fast ausschließlich aus Absolventen des Pädinstituts bestand. Die übrigen Absolventen des Jahrgangs 1932 arbeiteten in Dorfschulen und erfüllten gewissenhaft ihre Pflichten.

In den 30er Jahren wurden Techniken verschiedener Industriezweige gegründet: ein Mechanisches Technikum in Marxstadt, Landwirtschaftliche in Krasnyj Kut, Hussenbach, Krasnojar, Balzer. In Engels funktionierten schon drei Institute: das Pädinstitut, das Landwirtschaftliche Institut und die Kommunistische Hochschule. An allen Hochschulen wurde der Unterricht in deutscher Sprache geführt. Eine hervorragende Rolle in der Entwicklung des Bildungswesens spielte der Verlag „Nemisdat“, der sämtliche deutsche Schulen des Landes mit Lehrbüchern versorgte. Die Autonome Republik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) wurde zum Zentrum der Entwicklung des Bildungswesens und der Kultur aller Sowjetdeutschen, die im Kaukasus, in der Ukraine und in Sibirien lebten.

Die ASSRdWD wurde auf den Partei- und Sowjetforums als „musterhafte autonome Republik“, als „Kornkammer an der Wolga“ gepriesen. Eine der Voraussetzungen solch schnellen Wachstums der Ökonomik, Kultur und der sozialen Sphäre war die Gründung eines harmonischen perspektiven Bildungssystems – vom Kindergarten bis zum Institut und Aspirantur. Dies ist auch heutzutage ein sicherer Weg zur Konsolidierung der zwei Millionen Sowjetdeutschen, wo sie auch in der Sowjetunion nicht leben.

F. Emich

ВОЛГА Литературный журнал (г. Саратов) № 2 1990 г.
 
WinterДата: Воскресенье, 30.10.2011, 13:04 | Сообщение # 8
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Из Памятной книжки Самарской губернии за 1909г.:
 
WinterДата: Воскресенье, 30.10.2011, 13:08 | Сообщение # 9
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Вот что пишет об истории женской гимназии уездного города Николаевска (ныне - Пугачевск) директор Пугачёвского краеведческого музея Н.Сулейманова[8]:
«В 1896 году в городе была открыта, на базе одного приходского училища женская прогимназия. В 1898 году прогимназия из трехклассной была преобразована в 4-х классную.15 ноября 1904 года Попечительский Совет избрал комиссию,которая составила докладную записку в Николаевскую Городскую Думу о преобразовании 4-х классной прогимназии в шестиклассную.Женская прогимназия была преобразована в женскую гимназию в 1906 году, по причине расширения учебного заведения до 7 классов. С преобразованием прогимназии в гимназию в 1906 году предстояло выбрать начальницу гимназии с высшим образовательным цензом».

Похожим образом, видимо, развивались события и в Екатериненштадте. Специального пояснения требует только факт превращения гимназий опять в прогимназии. Возможно, это связано было с отсутствием необходимых средств. В отчетах Новоузеньского земства попалось мне дело о просьбе попечительского совета Екатериненштадтской гимназии оказать финансовую помощь в связи с большим количеством учащихся из соседнего Новоузеньского уезда и тяжелым материальным положением гимназии. Управа рекомендовала в помощи отказать. А возможно, что основная проблема – нехватка кадров. Подозреваю, что скучным мог показаться Екатериненштадт тем, кому этот город (а в то время еще - село) не был родным.

Мужская гимназия в 1911г. размещалась уже совсем в другом здании, недалеко от лютеранской церкви. Тем не менее, инспектор и законоучители – те же. Среди учителей назван Баум, бывший в 1909г. начальником частной мужской прогимназии.

 
WinterДата: Воскресенье, 30.10.2011, 13:10 | Сообщение # 10
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